HolzpuppeDie Holzpuppenform kann als ein erster kleiner Systemabschluss im Wing Chun System angesehen werden.

Die Holzpuppe – ein Trainingsgerät in Form eines simplen Holzstammes mit drei Armen und einem Bein – dient der Perfektionierung der Techniken aus den Basisformen sowie der abschliessenden Abhärtung des Körpers eines Wing Chun Kämpfers.

Die Holzpuppe ist keine Form im eigentlichen Sinne, sondern eine Anwendung an einem äusserst widerstandsfähigen und geduldigen Partner.

Die Geometrie des Kampfes, also das Einhalten bestimmter Winkel vom Körper des Trainierenden zur Holzpuppe, sowie die geschützte Positionsveränderung im Raum, wird in einem festen Ablauf von Techniken zur Perfektion gebracht.

In der Betrachtungsweise der Holzpuppe als eine Anwendung gibt es mehr Freiheit in der Ausgestaltung und in der Interpretation der Bewegungsmuster, was einem Training auf der ersten Meisterstufe auch sehr angemessen ist.

Je freier die einzelnen Sektionen der Holzpuppe in ihrer Äusserlichkeit praktiziert werden, desto bedeutsamer wird eine Fokussierung nach Innen, auf die dem Wing Chun System hinterlegten Prinzipien, die es zu konsolidieren und zu verinnerlichen gilt.

Das Üben an der Holzpuppe erfordert deshalb zunächst einmal auch, dass die grundlegenden Kriterien zur Vertiefung der Übungspraxis aus den drei Basisformen schon hinreichend verwirklicht sind.

Dazu gehören ein hohes Mass an Koordination, Variabilität der Techniken, Flexibilität in ihren Anwendungen sowie die Stabilität in den Körperhaltungen und eine hohe physische und psychische Widerstandsfähigkeit.

Körperhaltung, Geisteshaltung und Bewegung sollen an der Holzpuppe zu einer vollständigen Einheit verschmelzen. Diese Vollständigkeit zeigt sich im Wechselspiel von Spannung und Entspannung sowie in der Kompaktheit und der Dynamik in der Ausführung der Techniken in alle Wirkrichtungen.

Die Gestik, die Mimik und der Blick stehen im Einklang mit der Bewegung. Sie verleihen der mentalen Präsenz eines Praktizierenden ihren physischen Ausdruck.